Presse

"Schwule Fans längst akzeptiert"
(Nordwest Zeitung, Bremen, 14.01.2014)


von Jannik Deters

Werder-Fans treffen nur selten auf homophobe Anfeindungen. Die Bremer freuen sich über Hitzlspergers Outing.

Zunächst dominieren die Farben rot und weiß. Vor allem die Kölner – als Gastgeber keine Überraschung – und die Fans des VfB Stuttgart sind in der Mehrzahl, als die 14. Internationale Konferenz des Verbandes schwul-lesbischer Fanclubs QFF in der Stadt am Rhein beginnt. Das Coming-Out des ehemaligen Profifußballers Thomas Hitzlsperger hat den Veranstaltern unverhofft eine enorme Aufmerksamkeit beschert. „Das hätten wir uns früher mal gewünscht, dass so viel Notiz von uns genommen wird“, sagt QFF-Sprecher Dirk Brüllau.

Auch einige Anhänger von Werder Bremen sind angereist. „Zum Fußballgucken gehört, dass das Stadion offen ist für jeden, unabhängig davon, wo er herkommt oder wer er ist“, sagt Ralf Wessel, Sprecher der Green Hot Spots aus Bremen. Gemeinsam, das sind in diesen Tagen 125 Delegierte aus 29 Fanclubs, stellen sich die Frauen und Männer gegen Homophobie im Fußball.

Wessel und die anderen Fans stehen nicht am Anfang. Anfeindungen gebe es fast gar nicht mehr, sagt er: „Dass in Bremen in der Kurve mal homophobe Gesänge waren, daran kann ich mich in den letzten Jahren nicht erinnern. Das war in den 90ern, da kam das häufiger vor.“

In Arbeitskreisen und Diskussionsrunden sprechen die Delegierten zweimal im Jahr über festgelegte Themen. Dieses Mal unter anderem: „Wie (un)politisch ist der Sport?“ „Der Fußballsport muss bunt sein und darf nicht Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgrenzen; nicht vor, während oder nach einer Spielerkarriere oder gar auf den Rängen der Stadien“, betont die QFF in ihren Richtlinien.

Hitzlsperger helfe dabei, dem Thema Gewicht zu verleihen. Statt sonst vier Interviews in einem Jahr, gab Wessel zuletzt zehn binnen 48 Stunden. „Ich war sehr überrascht, dass es jetzt so herausgekommen ist. Und erfreut, dass er den Schritt eben vollzogen hat“, beschreibt Wessel seine erste Reaktion am vergangenen Mittwoch, als Hitzlspergers Outing öffentlich wurde.

Wessel kennt Fälle, in denen die Green Hot Spots verunglimpft wurden. Im vergangenen Herbst, erzählt er, seien bei einem Auswärtsspiel Leute auf ihren Schal mit einem kleinen Regenbogen darauf „aufmerksam geworden“, wie er es formuliert. „Da hatten wir die schöne Situation, dass eine junge Frau von der Seite kam und die drei sofort zur Rede gestellt hat.“ Die Mehrheit im Stadion würde einzelne homophobe Äußerungen direkt enttarnen und ins Abseits stellen.