Presse

"Wehrle: Wir werden Farbe bekennen!"
(Kölner Express, Köln, 12.01.2014)


von Arno Schmitz

Über 100 Vertreter schwul-lesbischer Fan-Klubs tagten am Samstag im RheinEnergieStadion beim 14. internationalen Treffen der QFF (Queer Football Fanclubs).

Das Treffen war lange vor dem Coming-Out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (31) geplant - erregte aber nun erhöhtes Medien-Interesse. Ähnlich wie 2008, als sich die QFF letztmals in Köln getroffen und der damalige FC-Coach Christoph Daum kurz zuvor mit einer homophoben Äußerung für Wirbel gesorgt hatte.

„Seitdem ist viel passiert“, sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle (38) in seiner Begrüßungsrede an die Teilnehmer und betonte das Engagement von EX-DFB-Präsident Theo Zwanziger (68) und dessen Nachfolger Wolfgang Niersbach (63) im Kampf gegen Homophobie.

Doch all das ist offenbar noch nicht genug, wie Wehrle auch im Fall Hitzlsperger wieder feststellt: „Es stört mich, dass da Stimmen kommen: »Warum erst vier Monate nach Karriereende?« Das ist wirklich albern. Es ist seine Entscheidung gewesen, und ich finde, es war eine gute, mutige, tolle Entscheidung, die wir alle unterstützen sollten.

Wenn sich jemand zu diesem Schritt entschließen sollte, liege es „an uns in den Vereinen“, so Wehrle, „diesen Spieler oder diese Spielerin vollumfänglich zu unterstützen, in allen Belangen. Ich kenne persönlich niemanden in der Bundesliga, der diesen Schritt nicht unterstützen würde – nur ist das eine ganz persönliche Entscheidung, ob man diesen Schritt macht oder nicht, das sollte man respektieren.“

Wehrle kündigte einen Aktionstag des FC gegen Homophobie für den 29. Spieltag (Gegner Bielefeld) sowie einen Wagen bei der CSD-Parade am 6. Juli an. „Wir werden beim CSD als 1. FC Köln mit unserem Fan-Klub Andersrum rut-wiess Farbe bekennen“, sagt Wehrle: „Um zu zeigen: Wir sind als Gesellschaft offensichtlich noch nicht so weit, das alles zu akzeptieren. Solange das so ist, müssen wir halt noch ein Zeichen setzen.“

Und weiter: „Wir als 1. FC Köln werden auf jeden Fall diese Geschichte so lange unterstützen, bis wir uns gar nicht mehr treffen müssen, denn das wäre eigentlich das schönste, dass es irgendwann mal Normalität wäre.“

Ein Outing wie das von Hitzlsperger müsse „nicht unbedingt die erste Schlagzeile beim Heute-Journal“, sein, meint Wehrle: „Eigentlich sollte es normal werden, denn jeder sollte leben wie er will.“

Wehrle kam nach einer kurzen Nacht von der Prinzenproklamation und rief die Fan-Vertreter mit Blick auf das Sessionsmotto »Zokunf. Mer spingkse, wat kütt.« auf: „Nur wenn sie alle in den nächsten Jahren weiter so leidenschaftlich ehrenamtlich kämpfen, werden wir alle gemeinsam in eine bessere Zukunft blicken.“