Presse

"Coming-Out ist mutig und überfällig"
(Frankfurter Rundschau, Frankfurt, 08.01.2014)


von Frank Hellmann

Thomas Hitzlsperger, 31 Jahre alter Ex-Fußballprofi, outet sich als Homosexueller. In der Männerdomäne Fußball auch heute noch ein gewagter Schritt. Aber ein überfälliger, wie unser Autor findet.

Lothar Matthäus, altersloser Frauenheld und ehemaliger Fußballstar, musste es ja wissen. „Ein Schwuler kann nicht Fußball spielen“, lautete eine der gewagten Thesen des Ex-Nationalspielers. Nun ist endlich das Gegenteil öffentlich bewiesen. Thomas Hitzlsperger hat länger als ein Jahrzehnt als Jugendlicher beim FC Bayern München und 52 Mal in der Nationalmannschaft gespielt, ist deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart geworden, war in der englischen Premier League und der italienischen Serie A aktiv.

Der 31-Jährige beendete erst im September vergangenen Jahres seine Karriere. Zu viele Verletzungen und Vereinswechsel, lautete damals die Begründung – zu viele Lügen und Verrenkungen ob seiner sexuellen Gesinnung sind der wahre Grund. Sein Coming-Out ist mutig. Und überfällig.

Mehrfach hat Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm den Standpunkt vertreten, er könne keinem aktuellen Auswahl-Fußballer raten, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Aber vielleicht liefert Hitzlsperger den Anfang, um ein ignorant behandeltes Tabuthema in der Männerdomäne aufzubrechen. Die Geheimniskrämerei ist umso unverständlicher, als in Wirtschaft und Politik die sexuelle Orientierung längst kein Verschweige-Thema mehr ist.