Presse

"Homosexueller Fußballer: Bundesregierung lobt Hitzlspergers Coming-out"
(Spiegel Online, Hamburg, 08.01.2014)


Mit seinem Coming-out hat der Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger ein gewaltiges Echo ausgelöst. Die Bundesregierung zollt ihm Respekt, Politiker, Sportler und Verbände loben seinen Mut. Und der DFB? Versichert ihm die "Unterstützung des gesamten Fußballs".

Der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlspergers erhält für sein Coming-out Lob von allen Seiten. Die Bundesregierung begrüßte den Schritt in die Öffentlichkeit, Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz." In den vergangenen Jahren habe Deutschland in dem Bereich schon enorme Fortschritte gemacht.

Seibert erklärte weiter, dass man in Deutschland im Großen und Ganzen "in Respekt voreinander lebt", unabhängig davon, "ob der Mitmensch Männer oder Frauen liebt". Fußballer beurteile man hierzulande doch weitgehend danach, ob sie sich auf und abseits des Platzes "gut und würdig" verhalten. Und das, so Seibert, treffe beides bei Hitzlsperger zu.

Großen Zuspruch gab es auch von offen homosexuellen Politikern: "Dieser Mut verdient größten Respekt", sagte der frühere Bundesaußenminister Guido Westerwelle auf der Internetseite der "Zeit", in der Hitzlsperger seine Homosexualität öffentlich macht. Der FDP-Politiker weiter: "Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist."

Der Grünen-Politiker Volker Beck, einer der ersten offen Homosexuellen im Bundestag, sagte, er habe großen Respekt. Im männlichen Profifußball sei Homosexualität leider immer noch ein Tabu. "Ich hoffe, dass Hitzlspergers mutiger Schritt dazu beiträgt, dass dieses Tabu endlich fällt. Es ist jetzt Aufgabe des DFB, aktiven Spielern Mut zu machen." Beck bedauerte allerdings, dass das Coming-out erst nach seinem Karriereende möglich gewesen sei.

FC Bayern rät zu normalem Umgang

Ehemalige Teamkollegen zollten Hitzlsperger Respekt. Lukas Podolski nannte den Schritt seines früheren Nationalmannschaftskollegen ein "wichtiges Zeichen". Es sei eine "mutige und richtige Entscheidung", schrieb Podolski auf Twitter: "Respekt, Thomas Hitzlsperger." Auch Arne Friedrich äußerte sich über den Kurznachrichtendienst zum Thema. "Bin stolz auf dich", so der Ex-Nationalspieler, "gute Entscheidung und aus meiner Sicht richtiger Zeitpunkt."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versprach Hitzlsperger die Unterstützung des gesamten Fußballs. "Thomas Hitzlsperger war zu seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: "Er hat sich entschieden, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, und ich stehe zu unserem Wort, dass er von uns jede erdenkliche Unterstützung bekommt."

Hitzlsperger hatte Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff vorab von seinem öffentlichen Coming-out informiert. "Als Thomas noch aktiver Nationalspieler war, hatten wir von seiner Homosexualität keine Kenntnis", sagte Bierhoff: "Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt. Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann." Hitzlsperger bestritt insgesamt 52 Länderspiele für Deutschland, das letzte im August 2010. Außerdem war er Teil des WM-Kaders 2006 und fuhr zwei Jahre später mit zur EM.

Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger deutete den Schritt als Zeichen. "Ich begrüße die Entscheidung, sich zu outen. Es gehört immer Mut dazu. Es kann ein Signal sein. Thomas Hitzlsperger ist eine sehr respektierte Persönlichkeit und hat charakterlich und mit seinen Grundhaltungen immer überzeugt und auch den Julius-Hirsch-Preis bekommen. Dass er jetzt diesen Schritt geht, freut mich", sagte Zwanziger SPIEGEL ONLINE.

Der FC Bayern rät zu einem gelassenen Umgang mit dem Coming-out. "Die Gesellschaft nimmt für sich in Anspruch, dass so etwas Normalität ist, und so sollten wir auch damit umgehen", sagte FCB-Mediendirektor Markus Hörwick, der Hitzlspergers Schritt aber ebenfalls als mutig bezeichnete. Auch für Reinhard Rauball, den Präsidenten der Deutschen Fußball Liga (DFL), ist der Schritt mutig. Er gab aber zu bedenken: "Mit Blick auf die enorme Öffentlichkeit im Profifußball wären die Reaktionen im Falle des Outings eines aktiven Profis jedoch weiterhin nur schwer kalkulierbar."