Presse

"Homosexualität und Profisport noch nicht vereinbar"
(Nordwest Zeitung, Oldenburg, 19.02.2013)


von Nikolaj Stobbe

Experten äußern Bedenken - Bekenntnis von US-Nationalspieler Rogers kein Befreiungsschlag

Nach dem Outing des homosexuellen Fußball-Profis Robbie Rogers hat der gleichzeitig verkündete Rücktritt des US-Nationalspielers zu einer regen Debatte geführt. Kritisch sei vor allem zu bewerten, dass Rogers mit erst 25 Jahren den einzigen Ausweg aus dieser Situation nur in einem Rückzug vom Profi-Fußball gesehen habe.

„Wo ist die Unterstützung durch den Verein, wo ist die Unterstützung durch die Verbände gerade in dem Moment gewesen, in dem Rogers diese am meisten gebraucht hätte?“, fragte Carsten Stock, der 2011 für sein Engagement gegen Homophobie den Ehrenamtspreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erhalten hatte. Stock ist zudem Abteilungsleiter des schwul-lesbischen Sportvereins Startschuss SLSV in Hamburg.

Für Stock ist das Outing noch lange nicht das erhoffte Befreiungssignal im Profi-Fußball. „Vielmehr ist durch den gleichzeitigen Rückzug Rogers genau der gegenteilige Eindruck erweckt worden, dass Homosexualität und Profifußball nicht vereinbar seien“, sagte Stock. Ähnlich äußerte sich Präsident Martin Kind von Bundesligist Hannover 96, der keinem homosexuellen Profi derzeit ein Outing empfehlen würde. „Es ist noch eine deutliche Aufklärung zu leisten“, meinte Kind.

Die Verantwortlichen müssten deutlich machen, so Stock, dass die Vereinbarkeit zwischen Homosexualität und Profifußball gegeben sei und dies endlich auch durch Taten untermauern, auch wenn das keine einfache Aufgabe sei. „Wieso erzeugt unsere Gesellschaft immer noch einen Druck, der die Betroffenen in Angst vor Verurteilung und Ablehnung leben lässt?“, betonte Stock.

Für den Fanforscher und Sportsoziologen Gunter A. Pilz (Hannover) hat das Outing des US-Profis keinerlei Auswirkungen auf den deutschen Fußball. „In den USA und England ist die Situation eine andere. Dort haben sich Sportler geoutet, ohne das etwas passiert ist. Wir haben in Deutschland eine andere Fankultur“, sagte Pilz.