Presse

"Bayer 04 diskutiert über Diskriminierung im Fußball"
(Rheinische Post, Düsseldorf, 07.11.2012)


von Christian Buhl

Die Ausstellung "Tatort Stadion 2" thematisiert Fußball und Diskriminierung. Seit gestern ist sie in der Stadtbibliothek zu sehen.

Affenrufe hallen aus der Fankurve. Entsprechende Gestiken sollen dem farbigen Spieler auf dem Platz zeigen, was man von ihm hält. So oder so ähnlich spielt es sich an vielen Wochenenden in deutschen Fußballstadien ab. Beschimpfungen gehören teilweise schon zum "guten Ton". In Leverkusen öffnete gestern in der Stadtbibliothek die Ausstellung "Tatort Stadion 2". Sie thematisiert die Schattenseite der "schönsten Nebensache der Welt": Diskriminierung.

Seit 2001 tourt das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) mit der Ausstellung durch die Republik. An knapp 200 Orten war es schon. Bis zum 17. November wird in Leverkusen Station gemacht. Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hat die Schirmherrschaft übernommen. Fan-Utensilien, Info-Stellwände und Fotos informieren über vergangene und aktuelle Fälle von Diskriminierung. Zudem werden Lesungen und Diskussionsrunden rund um das Thema angeboten.

In Leverkusen sei die Ausstellung aber nicht, weil besonderer Grund zur Sorge bestünde, sagt Stefan Thomé vom Bayer 04-Fanprojekt, dem Veranstalter der Ausstellung. "Es geht hier um eine präventive Wirkung, die dahinter steckt."

Homophobie und Rechtsradikalismus sei bei Bayer 04-Fans nur vereinzelt ein Thema, sagt Thomé. "Wir sind ein sehr toleranter Club." Mit den "Bayer 04-Junxx" gibt es seit 2008 den ersten offiziellen schwul/lesbischen Bayer 04-Fanclub. Zudem verfüge die Fanszene über eine intakte Selbstregulierung. "Die Fans bekommen mit, wenn sich jemand mit rechtem Gedankengut unter sie mischt. Der wird dann auch schnell ausgeschlossen", sagt der Fanprojektleiter.

Thomé und seine Kollegin Daniela Frühling konnten sich gestern über eine Auszeichnung ihrer Arbeit freuen. Ihr Fanprojekt erhielt ein Qualitätssiegel. "Weil sie aktiv gegen Diskriminierung im Fußball vorgehen", sagte Gerd Wagner von der Koordinationsstelle für Fanprojekte, der das Siegel überreichte.

In anderen Fan-Szenen sieht es aktuell nicht so gut aus wie in Leverkusen. "Dortmund und Aachen haben im Moment Probleme mit rechten Fans", sagt Martin Endemann vom BAFF. "Ich rechne damit, dass im nächsten Jahr noch mehr Klubs Probleme mit Rechts bekommen werden." Die rechten Gruppierungen, die früher oft in der Kurve zu finden waren, seien mittlerweile von Ultras verdrängt worden. "Sie wollen wieder auf sich aufmerksam machen und zeigen, dass es sie noch gibt", sagt Endemann.

Einer, der Diskriminierungen hautnah auf dem Platz erlebt hat, ist Rüdiger Vollborn. Der ehemalige Bayer 04-Torwart und jetzige Fanbeauftragte musste sich einiges von den Rängen anhören: "Das war manchmal wirklich unter der Gürtellinie", sagt er. Mit seinem ehemaligen Kollegen Oliver Kahn hat er Mitleid. "Der wurde sogar mit Bananen beworfen. Das geht gar nicht."