Presse

"Outing nur Frage der Zeit"
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt, 13.09.2012)


von Michael Horeni

Politik und Bundesliga reagieren auf die Aussage eines schwulen Fußballspielers, er oute sich aus Angst um seine Zukunft als Profi nicht: Bundeskanzlerin Merkel spricht Mut zu, Ligapräsident Rauball von einem ungelösten Problem.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat homosexuellen Fußballprofis Mut gemacht und politische Unterstützung zugesagt, falls sie sich zu einem Outing entschließen sollten. „Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat, wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte. Das ist meine politische Botschaft. Dass immer noch Ängste bestehen, was das eigene Umfeld anbelangt, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben“, sagte die Kanzlerin an diesem Mittwoch während der Vorstellung der Integrationskampagne „Geh deinen Weg“.

In dieser Woche hatte ein Bundesligaprofi, der anonym bleiben wollte, im Magazin „Fluter“ der Bundeszentrale für politische Bildung in einem Interview gesagt, er müsse sich aus Angst um seine Zukunft als Fußballprofi täglich verstellen und verleugnen. Sollte seine Homosexualität bekannt werden, würde er sich nicht mehr sicher fühlen.

Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, sprach von „einem Problem, das bis heute ungelöst ist, obwohl es mehrere Versuche gab“. Bisher hat sich noch kein deutscher Profi aus der Bundesliga während seiner aktiven Zeit zur Homosexualität bekannt. Rauball steht einer Ermunterung zum Outing von Profis zwiespältig gegenüber. Auch wenn man sich das wünsche, gäbe es eine große Verantwortung angesichts der ungewissen Reaktionen der Öffentlichkeit. Ein sich bekennender homosexueller Profi könne immer noch „die Gelegenheit verlieren, seinen Beruf auszuüben“.

b> „Fußball ist heute weiter als viele meinen“

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hält es nur noch für eine Frage der Zeit, bis sich ein Profi zu seiner homosexuellen Orientierung bekennt. „Das wird über kurz oder lang kommen. Die Vereine sind gut beraten, sich darauf vorzubereiten“, sagte Hoeneß in Berlin. Bei den Fans von Bayern München könne er garantieren, dass ein schwuler Profi seines Klubs keine Schwierigkeiten bekäme, der Verein würde seinen Angestellten auch öffentlich entsprechend unterstützen.

Die Verantwortung jedoch, wie ein Spieler in anderen Stadien empfangen würde, könne er nicht übernehmen. Er rechne allerdings nicht mit größeren Problemen für Profis nach einem Outing. „Vor zehn, fünfzehn Jahren war das noch anders. Aber der Fußball ist heute weiter als viele meinen.“