Presse

"Angst vor Nachteilen immer noch zu groß"
(Fränkische Nachrichten, Tauberbischofsheim, 03.01.2012)


von Uta-Caecilia Nabert

Fußball: Die Journalisten Dirk Leibfried und Andreas Erb haben ein Buch über Homosexualität in den Profiligen geschrieben / "Das Schweigen der Männer"

Der Fußball im Land könnte besser sein. Das zumindest vermutet die Ethnologin Tatjana Eggeling. Der Grund: In den Profi-Ligen ist kein Platz für schwule Talente. Bevor sie auf Jahre ihre Sexualität verschweigen müssen, suchen sich viele lieber eine andere Betätigung.

Eggeling kommt in dem Buch "Das Schweigen der Männer" zu Wort. Darin befassen sich die Journalisten Dirk Leibfried und Andreas Erb mit dem heiklen Thema "Homosexualität im Fußball". Es geht den Autoren darum, jetzt viel darüber zu reden, damit es irgendwann niemand mehr macht. Leibfried: "Ich wünsche mir, dass eines Tages ein schwuler Profispieler seinen Freund anstelle seiner Scheinfrau mit zur Weihnachtsfeier bringen kann und das niemanden interessiert."

Aber warum ist es überhaupt noch ein Tabu, sich als Fußball-Profi zu outen? In der Politik geht es, in der Kultur, im Showgeschäft. Die Autoren schreiben: "Kein Profi wollte bislang eine gewachsene, anachronistische Männerwelt zum Einsturz bringen." Dazu kommt natürlich die Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen und den Pöbeleien der Fans auf den Tribünen.

Leibfried und Erb sind überzeugt, dass es trotz dieses Drucks schwule Profi-Kicker gibt. So heißt es gleich zu Beginn: "Wenn man davon ausgeht, dass zwischen fünf und zehn Prozent aller Deutschen homosexuell sind, muss es - zumindest statistisch gesehen - mindestens 50 schwule Fußballprofis geben."

Fußball als Spiegel der Gesellschaft. So sehen ihn die Autoren, und deswegen wünschen sie sich von ihm eine Vorbildfunktion. Denn wenn sich erst einmal die Stars geoutet hätten, falle es auch schwulen Jugendlichen in den Dorfmannschaften leichter, sich zu bekennen.

Leibfried selbst meint, dass es mittlerweile in der Profi-Liga möglich wäre, sich zu outen. Allerdings: "Es muss gut vorbereitet sein: Der Verein muss Bescheid wissen, man muss geklärt haben, mit welchen Medien man spricht, wem man Interviews gibt."

Nach Outing wiedergewählt

Leibfried, der als Sportjournalist arbeitet, spielt in seiner Freizeit Fußball und ist selbst schwul. Als er sich Ende der 90er Jahre outete, waren die Reaktionen darauf durchweg positiv. "Ich bin damals dennoch erneut zum Vorsitzenden meines Dorfvereins gewählt worden - und das ohne Gegenstimme."

In ihrem Buch führen Leibfried und Erb einige solcher Positiv-Beispiele an. Außerdem haben sie mit verschiedenen Akteuren der Branche gesprochen: mit Fans, Spielern, Sponsoren, Vereinen, der Gewerkschaft. Einige setzen sich bereits in den Stadien mit dem Thema auseinander: So haben homosexuelle Fußball-Anhänger eigene Fan-Klubs gegründet und der FSV Frankfurt ist einer der ersten Profivereine, der gegen Homophobie, also Feindseligkeit gegenüber Schwulen, mobil macht.

Doch es ist gar nicht unbedingt Homophobie, die Erb und Leibfried dem Fußball unterstellen. Was die Kollegen solcher Spieler betrifft, gehen sie davon aus, dass diese nicht wissen, wie sie überhaupt mit Schwulen umgehen sollten und Berührungsängste haben. Immerhin ist Körperkontakt im Fußball fester Bestandteil des Berufs. Leibfried hält dagegen: "Die Leute meinen immer, jeder Schwule würde auf jeden Mann abfahren. Die Heteros sollen sich nicht so viel einbilden, das stimmt nicht."