Presse

"Politiker fordern Blatter zum Rücktritt auf"
(Berliner Morgenpost, Berlin, 18.11.2011)



Weltverbandspräsident Joseph Blatter ist nach missverständlichen Äußerungen zum Thema Rassismus im Fußball stark in die Kritik geraten. Von Profis wie dem englischen Nationalspieler Rio Ferdinand handelte sich Blatter heftigen Tadel ein.

Mehrere englische Politiker sowie Gordon Taylor, Chef der englischen Profifußballer-Vereinigung PFA, forderten sogar Blatters sofortigen Rücktritt. Taylor brachte Uefa-Chef Michel Platini als möglichen Nachfolger ins Gespräch.

Fifa-Boss Blatter hatte in einem Interview mit dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira ein Rassismus-Problem im Fußball geleugnet. Abfällige Gesten oder Äußerungen während eines Spiels seien nach dem Abpfiff "vergessen", sagte er. Sollte das nicht der Fall sein, müssten die jeweiligen Liga-Offiziellen "die Streitenden zusammenbringen und ihnen sagen: Reicht euch die Hände".

Via Twitter schrieb Blatter später, dass "Rassismus und Diskriminierung jedweder Art keinen Platz im Fußball" hätten: "Das habe ich schon sehr oft betont und das werde ich auch immer und immer wieder sagen." Außerdem ließ er in einer Stellungnahme der Fifa wissen, er wolle das Rassismus-Problem "nicht verharmlosen" und engagiere sich, um "diese Plage" zu beseitigen. In einem weiteren Twitter-Eintrag verharmloste er Rassismus aber gleichwohl als etwas "Falsches", das "in der Hitze des Gefechts" passieren könne.

Der britische Premierminister David Cameron reagierte mit absolutem Unverständnis auf die Äußerungen Blatters: "Es ist entsetzend, zu suggerieren, dass Rassismus in irgendeiner Form als Teil des Spiels akzeptiert werden sollte", sagte Cameron in einer Stellungnahme. "Es ist sehr viel Arbeit in die Verbannung des Rassismus aus unserer Gesellschaft inklusive des Fußballs gesteckt worden - jetzt ist nicht der Zeitpunkt damit aufzuhören."

Für den englischen Sportminister Hugh Robertson hat sich Blatter mit seinen Äußerungen endgültig disqualifiziert. Er nannte die Aussagen des Fifa-Bosses "völlig inakzeptabel" und meinte, er können "nur hoffen", dass er zurücktrete. Ed Miliband, Chef der Labour-Partei, sprach von einer "Schande" und forderte eine "neue Führung" für den Weltfußball. Taylor sprach vom "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt". Dem britischen Rundfunksender BBC sagte Taylor weiter: "Ich denke, dass es an der Zeit ist, zu Michel Platini überzugehen." Blatter habe sich bereits mit unglücklichen Aussagen zu Homosexualität und Frauen-Fußball ins Abseits gestellt. Zudem seien "die Korruption, die sie bei der Fifa hatten", die Art und Weise, wie die Fifa WM-Turniere vergebe sowie die Weigerung, technische Hilfsmittel einzuführen, Argumente für einen Wechsel an der Fifa-Spitze.

Nationalspieler Ferdinand sprach Blatter via Twitter direkt an. "Ihre Aussagen über Rassismus sind so herablassend, dass es fast schon lächerlich ist. Wenn Fans rassistische Lieder singen und uns danach die Hand geben, soll dann alles in Ordnung sein?" Er fühle sich "dumm", weil er gedacht habe, dass der Fußball eine führende Rolle beim Kampf gegen Rassismus einnehmen würde.

Die Fifa hatte sich bei ihren Turnieren in den letzten Jahren immer wieder für den Kampf gegen Rassismus engagiert. So verlasen bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika die Kapitäne aller acht für das Viertelfinale qualifizierten Mannschaften vor den Spielen Botschaften gegen Diskriminierung und Rassismus. Der Slogan lautete: "Sag nein zum Rassismus!"