Presse

"Das Schweigen männlicher Fußballer"
(Nordwestzeitung, Oldenburg, 09.09.2011)


von Onno Kutscher

Studie Britta Unfried aus Wardenburg hat Bachelorarbeit über Homosexualität im Amateurfußball verfasst. Die 28-Jährige hatte 158 Fußballer von elf Vereinen aus dem Landkreis und der Stadt Oldenburg dazu befragt. An Outings in der Bundesliga glaubt sie vorerst nicht.

Wohl in keiner anderen Sportart wird Homosexualität so tabuisiert wie im Fußball. Zuletzt heizte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Philipp Lahm, mit seinen Aussagen die Diskussion um Outings von Bundesliga-Spielern an. In seinem Buch „Der feine Unterschied“ heißt es: „Ich würde keinem schwulen Profifußballer raten, sich zu outen.“

Ausgrenzung als Folge

Aber wäre es wirklich so dramatisch, wenn sich ein Profi als homosexuell outen würde, oder wird das Thema schlicht überbewertet? Selbst in der Wissenschaft befasst man sich mit dieser Frage. Soziologin Nina Degele von der Universität Freiburg kommt in ihrer Studie, die sie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt hat, zu einem eindeutigen Ergebnis: „Der Druck auf homosexuelle Fußballer ist immer noch sehr groß und Ausgrenzung wäre die Folge eines Outings.“

In eine andere Richtung geht allerdings das Ergebnis der Wardenburgerin Britta Unfried. Sie hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Titel „Ein Meinungsbild über Homosexualität im männlichen Amateurfußball“ intensiv mit dem Thema beschäftigt. 158 männliche Fußballer von elf Amateur-Vereinen aus dem Landkreis Oldenburg und der Stadt Oldenburg hat sie dazu befragt. Demnach hätten 131 der Befragten kein Problem damit, wenn ihr Mitspieler homosexuell wäre.

„Das war auch für mich verblüffend“, sagt die 28-Jährige, die an der FH Emden Sozialpädagogik und Soziale Arbeit studiert hat. „Es waren auch Sprüche dabei wie ,Homosexualität ist heilbar‘, aber die waren in der Minderheit.“

Homophobie konnte Unfried aber auch bei Spielen beobachten. Im Zuge der Untersuchung war sie oft beim Training und bei Spielen in der Kreisliga. „Bei Fußballern werden gerne Kraftwörter wie ,Du schwule Sau‘ oder ,Schwuchtel‘ benutzt“, erzählt sie. 153 der Befragten hätten in dem Moment aber nicht die Absicht, Homosexuelle zu beleidigen. 108 empfinden dagegen laut Umfrage solche Ausdrücke als Diskriminierung.

Rückschlüsse darauf, ob in der Bundesliga ähnlich gedacht wird, seien schwierig, sagt Britta Unfried. Daher würde sie ihre Studie gerne auf die Bundesliga ausweiten, denn rein statistisch gesehen sei jeder Zehnte in der 1. und 2. Bundesliga homosexuell.

Britta Unfried hat in ihrer Arbeit festgestellt, dass die Befragten sehr tolerant sind und ein schwuler Mitspieler für die Mehrheit kein Problem sei. Es bestätigte sich nicht, dass Homosexualität ein so großes Tabuthema ist. Während des Forschungsprozesses hat die Autorin auch mit einem aktiven homosexuellen Schiedsrichter gesprochen, der ebenfalls die große Aufgeschlossenheit der Fußballer lobte.

Angst vor Intoleranz

Dass es in den nächsten Jahren Outings in der Bundesliga gibt, glaubt sie dennoch nicht. „Viele haben Angst vor Intoleranz in der Gesellschaft, oder negative Resonanz von gegnerischen Vereinen“, sagt die 28-Jährige. „Es bedarf noch viel Aufklärungsarbeit.“

Die Entwicklung beim DFB sieht sie dennoch positiv. „Man muss anerkennen, dass in Deutschland in den letzten Jahren viel bewegt wurde“, so die Wardenburgerin. Die Aufnahme von Anti-Diskriminierungsparagrafen in die Satzung der Vereine sowie die Zusammenarbeit des DFB mit homosexuellen Verbänden hätten zu dieser Entwicklung beigetragen.

Diese Bemühungen müssten aber auch auf den Amateurbereich ausgedehnt werden. Durch die föderalistische Struktur beim DFB würden nicht alle Informationen und Projekte zu den Verbänden durchdringen. Vor allem in der Ausbildung von Trainern im Kinder- und Jugendbereich müsse ein einheitliches Konzept entwickelt werden.