Presse

"Für die Menschenwürde"
(Süddeutsche Zeitung, Stuttgart, 23.07.2011)


von Romy Schwaiger

Das Projekt 'Tatort Stadion 2' der Löwen-Fans gegen Rechts wendet sich gegen Diskriminierung im Fußball

Fussball ist alles - auch schwul!' Dieser Banner fällt ins Auge, sobald man die Räumlichkeiten im 'Farbenladen', einem zum Feierwerk in der Hansastraße gehörenden Gebäude, betritt. 'Tatort Stadion 2' nennt sich die Ausstellung, die in den vergangenen zwei Wochen von der Initiative Löwen-Fans gegen Rechts in München organisiert und betreut wurde. Das Konzept von Tatort Stadion war bereits im Jahr 2001 vom Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF) entwickelt worden, seither machte die Ausstellung in über 200 Städten Halt. Die komplett überarbeitete zweite Auflage der Ausstellung will laut BAFF 'sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis informieren als auch darüber, was Fans dagegen tun.' Mit großen Schautafeln wird auf die Probleme in den Stadien, wie Homophobie, Antisemitismus, Hooliganismus oder Rassismus hingewiesen.

Interessierte konnten nicht nur die Wanderausstellung, die zuvor schon in Wolfsburg und Düsseldorf gastierte, begutachten, sondern auch wechselnde Themenabende besuchen. Die Veranstaltungen wurden gut angenommen, insgesamt seien über 500 Besucher gekommen, darunter viele Schulklassen, sagt Herbert Schröger von den Löwen-Fans gegen Rechts. Die Initiative gibt es seit den neunziger Jahren, einmal im Monat trifft man sich zum Stammtisch. 2009 erhielten sie den Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), eine ehrende Erinnerung an den jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch. Mit diesem Preis will der DFB 'ein öffentliches Zeichen für die Unverletzbarkeit der Würde des Menschen setzen, in den Stadien und in der Gesellschaft'.

Vor dieser Auszeichnung habe sich der TSV 1860 München kaum für die Initiative interessiert, meint Schröger. 'Aber als wir den Preis erhalten haben, haben wir plötzlich Aufmerksamkeit bekommen.' Das habe sich mittlerweile wieder gelegt, findet er, 'der Verein ist immer mit anderen Sachen beschäftigt'. Auch in diesen Tagen habe sich der Verein 'nur am Rande' für die Ausstellung interessiert, wie Schröger mit Bedauern feststellt, 'nur Sportkoordinator Florian Hinterberger hat am Donnerstag Nachmittag vorbeigeschaut'. Abends wurde der Film 'Kick it like Kurt' gezeigt, eine Film-Dokumentation über den ersten Präsidenten des FCBayern München, den jüdischen Kurt Landauer, der den Verein 1932 zur ersten deutschen Meisterschaft führte. Nach Machtübernahme des NS-Regimes im Jahr 1933 musste er jedoch zurücktreten. Nach achtwöchiger Inhaftierung im KZ Dachau floh er 1938 in die Schweiz, kehrte erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach München zurück, wo er von 1947 bis 1951 erneut das Präsidentenamt beim FC Bayern übernahm.

Den Anstoß für das Filmprojekt hatte der Kreisjugendring (KJR) im Jahr 2010 gegeben. 'Die Idee kam damals von israelischen Volunteers, die bei uns waren', erzählt Sylvia Schlund von der Fachstelle für zeitgeschichtliche Projekte des KJR. Für ihre Dokumentation wurden die jungen Filmemacher in diesem Jahr mit dem 'Münchner Bürgerpreis gegen Vergessen - für Demokratie' ausgezeichnet.