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"'Tom meets Zizou. Kein Sommermärchen' ist eine Abrechnung mit dem deutschen Profifußball"
(Märkische Allgemeine, Potsdam, 28.07.2011)



Als Kind träumte Thomas Broich von einer Karriere als Profifußballer. Mit Anfang Zwanzig hatte er es geschafft - und wurde todunglücklich. Heute kickt er in Australien, frei nach dem Motto „Ich kann überall auf der Welt Fußball spielen“. Regisseur und Adolf-Grimme-Preisträger Aljoscha Pause begleitete ihn zwischen 2003 und 2011 mit der Kamera.

Entstanden ist der einfühlsame Dokumentarfilm „Tom meets Zizou. Kein Sommermärchen“, der die psychologischen Spielregeln der Bundesliga infrage stellt. „Alle wollen so ganz verzweifelt diesen Erfolg“, resümiert Broich bitter. Manager stünden „brutal unter Druck“. Heute nennt sich der Sportler, der unter anderem bei Gladbach spielte, „bundesliga-geschädigt“.

Anfangs lief alles wie von selbst, Broich galt als Hoffnungsträger. Aber der Druck wuchs, von allen Seiten gab es Erwartungen, die Freude am Fußballspielen ging ihm immer mehr verloren. Er war stets „der andere Fußballspieler“. Wegen seiner Vorliebe für klassische Musik und anspruchsvolle Literatur haftete ihm der halb spöttische, halb bewundernde Spitzname „Mozart“ an.

Schon zu Beginn ahnte er, der Erfolg könnte ihm einmal um die Ohren fliegen. Wer hoch steigt, kann tief fallen. Und Broich fiel, eckte mit seiner feingeistigen Art an, erzielte auf dem Platz immer weniger Erfolge, reagierte trotzig. Dann kam der Tiefpunkt.

„Tom meets Zizou“ hat das Potenzial, in Deutschland eine Debatte voranzutreiben, die seit dem Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke 2009 offener geführt wird: psychische Probleme bei Sportlern. Er habe eine „ausgewachsene Fußballdepression“ gehabt, sagt Broich. „Ich hatte Gedanken im Kopf, die einfach so ungut waren, nicht nur für Fußball, sondern einfach fürs Leben.“

Pauses Film zeigt, wie stark Spitzenleistungen und eine ausgeglichene Psyche zusammenhängen. Der Regisseur beackert in seinen Dokus gern tabubeladene Themen, zuvor etwa Alkohol oder Homosexualität im Fußball.

In „Tom meets Zizou“ geht es mehr um den Menschen Broich als um den Fußballsportler. Gerade deshalb kann der Film auch Kinogänger begeistern, die keine Fußballfans sind. Die Doku gewinnt vor allem wegen des offensichtlichen Vertrauens zwischen Broich und dem Regisseur. Die Interviews sind nachdenklich, selbstkritisch und tiefgehend. Seinen Titel verdankt der 133-minütige Film übrigens Broichs früherer E-Mail-Adresse – eine Anspielung auf sein großes französisches Idol Zinedine „Zizou“ Zidane. Broichs Weg könnte anderen ausgebrannten Sportlern Hoffnung geben. Denn als der Fußballer nicht mehr konnte, beendete er sein bisheriges Leben – er ging nach Australien und kickt seither für Brisbane Roar. Die Entscheidung tut ihm sichtlich gut. In den jüngsten Interviews wirkt er gelöst und entspannt. Doch auch dort wächst die Fallhöhe: Broich wird als bester A-League-Import aller Zeiten gefeiert. Erwartungsdruck und Profifußball gehören zusammen – auch am anderen Ende der Welt.

„Tom meets Zizou“, Regie : Aljoscha Pause, Dauer: 133 Minuten.