Presse

"Homosexualität im Sport"
(Deutschlandfunk, Köln, 13.04.2011)


von Robert Kempe

Erstmals befasste sich der Sportausschuss des Bundestages in einem größeren Rahmen allein mit dem Thema Homosexualität und Homophobie im Sport.

Dazu waren neben dem Deutschen Olympischen Sportbund unterschiedliche Experten, darunter Tanja Walther-Ahrens, Bildungsbeauftragte des Deutschen Fußball Bundes, und Marcus Urban eingeladen. Urban galt einst als großes Nachwuchstalent, doch entschied er sich aus Angst, seine Homosexualität würde entdeckt werden, gegen den Fußballsport. 2007 outete er sich. Seitdem, so Urban, hätten sich bei ihm viele Leute auch aus dem Sport gemeldet, die ihre Homosexualität geheim hielten. Der Sport habe größere Schwierigkeiten im Umgang mit Homosexualität als andere gesellschaftliche Bereiche, sagt Urban:

"Im Sport ist es nun mal körperlicher. Gerade Fußball ist eine Mannschaftssportart, da haben sie körperlichen Kontakt über Zweikämpfe oder wenn sie jubeln. Damit ist auch eine andere Brisanz drin, was das Thema Sexualität angeht. Denn eine Gemeinsamkeit zum Thema Sexualität und Mannschaftssport ist die körperliche Auseinandersetzung."

Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, versprach unter anderem Mitgliedsverbände und Vereine beim Umgang mit dem Thema Homosexualität besser zu beraten, gab aber auch zu bedenken, dass der Sport das Problem der Diskriminierung von Homosexuellen nicht allein lösen könne. Auch die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag, SPD, sieht das Thema nicht nur auf den Sport beschränkt.

"Dass ist ein gesellschaftspolitisches Problem. Ich glaube wir sind als Politiker nicht nur als Sportpolitiker in dieser Frage gefragt, für mehr Akzeptanz zu werben. Und dass muss dann letztlich auch bis in die Fankurven der großen Vereine reinreichen."

Dennoch erwartet der Grünenpolitiker Winfried Herrmann auch vom DOSB konkretere Strategien Homophobie offen zu begegnen.

"Das wir sicherlich auch den organisierten Sport immer wieder die Frage stellt, was tust du? Außer, dass du sagst, ja das ist ein wichtiges Thema. Wir erwarten natürlich auch, dass der DOSB eine Strategie entwickelt voranzukommen. Allein zu sagen wir tun da und dort was, ist, glaube ich, zu wenig."

Beobachter kritisierten im Nachhinein die fehlende Sachkenntnis einiger Bundestagsabgeordneter. So seien manche Fragen in der öffentlichen Diskussion schon vor Jahren thematisiert worden und gingen an der aktuellen Debatte vorbei.