Presse

"Schwulenfeindliche Äußerungen in Kroatiens Verband"
(Die Presse, Wien, 11.11.2010)


„Solange ich Präsident bin, werden sicher keine Homosexuellen im Nationalteam spielen", sagte Fußball-Verbandspräsident Vlatko Markovic. Schwule sind für den Ex-Rapid-Trainer "keine normalen Menschen".

Große Aufregung gibt es derzeit um Kroatiens Fußball-Verband. Präsident Vlatko Markovic fiel nämlich in einem Interview für die Zeitung Vecernji List mit schwulenfeidlichen Aussagen auf: "Solange ich Präsident bin, werden sicher keine Homosexuellen im Nationalteam spielen", meinte der 73-Jährige.

Gefragt ob er in seiner aktiven Karriere je einem schwulen Fußballer begegnet ist, sagte Markovic, der 1985/86 Trainer von Rapid Wien war: "Glücklicherweise nicht. Fußball spielen nur normale Menschen."

Der europäische Schwulen- und Lesbensportverband EGLSF forderte vom kroatischen Fußballverband umgehende eine öffentliche Entschuldigung und forderte die Uefa auf, gegen Markovic ein Disziplinarverfahren einzuleiten.

Markovic erklärte, er sei bei seiner Aussage missverstanden worden. Der 73-Jährige kandidiert im Dezember für eine vierte Amtsperiode als Verbandspräsident.

Lunacek bezweifelt EU-Tauglichkeit

Markovics Entgleisung hat nicht nur auf sportlicher, sondern auch auf politischer Ebene ein Nachspiel. Die grüne EU-Abgeordnete und mehrmalige aktive Teilnehmerin bei den Gaygames, Ulrike Lunacek, bezweifelt angesichts der „homophoben Aussagen" eines hochrangigen Sportfunktionärs die EU-Tauglichkeit Kroatiens. „Die Umsetzung von EU-Anti-Diskriminierungsrichtlinien ist eine Causa sine qua non, um der EU beitreten zu können", sagt sie.

In Österreich engagierten sich im Oktober alle 20 Klubs der Bundesliga und Ersten Liga im Rahmen des Projekts „Fair Play. Viele Farben. Ein Spiel" gegen Homophobie im Fußball. Vor den Spielen verlasen die Kapitäne Botschaften gegen schwulenfeindliche Vorurteile.

Erinnerungen an Baric

Die Äußerungen erinnern an die Entgleisungen von Otto Baric, der 2004 in einem Interview gemeint hatte: "Ich weiß, dass kein Homosexueller in meinem Team ist. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten und ich will sie nicht in meiner Mannschaft haben." Baric, der zahlreiche Vereine in Österreich trainiert hatte und auch ÖFB-Teamchef war, wurde daraufhin von der Uefa mit einer Geldstrafe von 3000 Schweizer Franken belegt.