Presse

"TV Kritik: Ein 'Tatort' der ersten Liga"
(Stern, Hamburg, 20.03.2011)


von Ulrike Klode

Ein rundum gelungener "Tatort" - das ist selten. Und das, obwohl "Mord in der ersten Liga" das klischeebehaftete Thema "Homosexualität im Fußball" behandelte. Da weiß man gar nicht so recht, wo man bei dem Fall mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm ansetzen soll. Ein Dank ist angebracht.

Es muss an dieser Stelle mal dringend gesagt werden: Danke! Denn der Fall "Mord in der ersten Liga" war richtig gut. So ein "Tatort" lässt die mittelmäßigen bis schlechten Krimis, die uns hin und wieder aus Ludwigshafen, vom Bodensee, aus Leipzig oder aus Wien erreichen, schnell vergessen. Liebe "Tatort"-Macher, gebt uns Zuschauern einfach mehr von solchen Fällen wie den neusten aus Hannover mit Kommissarin Charlotte Lindholm.

Dabei haben es sich die Macher nicht leicht gemacht. Einen Mord an einem Hannover-96-Spieler zu erzählen und die Themen "Homosexualität im Profifußball", "Hooligan-Gewalt" und "Manager, die gleichzeitig Ziehväter sind" zu behandeln, hätte sehr leicht schiefgehen können. Aber es ist gelungen, Handlung und Dialoge des "Tatorts" nicht in Klischees abgleiten zu lassen – auch wenn der Täter dann doch irgendwie aus enttäuschter Liebe handelte. Aber so ist das Leben nun mal.

Handlung, Bilder, Atmosphäre - alles passt

Doch nicht nur das Drehbuch (geschrieben von Harald Göckeritz, Regie führte Nils Willbrandt) ist gut und hält viele überraschende Wendungen parat. Auch die Bilder tragen ihren Teil dazu bei, dass dieser "Tatort" ein spannendes Vergnügen ist. Grau in grau - egal, ob es um den Himmel, um Straßenzüge oder um das Büro der Ermittler geht. Das unterstreicht die trostlose Atmosphäre, die die Geschichte vermittelt. Und gleichzeitig wirkt es nicht übertrieben, es passt nicht nur zur Handlung, sondern auch zur kühlen Art der Kommissarin, wie immer sehr gut gespielt von Maria Furtwängler.

Und was die Frau Kommissarin angeht: Es ist eine gute Idee, ihr in diesem Fall einen Kollegen zur Seite zu stellen, der durch und durch Hannover-96-Fan ist. So können einige Fußballfan-Phänomene, die die rationale Ermittlerin nicht versteht, nebenbei erklärt werden. Außerdem bringt der Kollege Näter (Fritz Roth) eine wohltuende Emotionalität in den Mordfall, die dem Charakter der LKA-Frau fern liegt.

Überraschend gefühlig wird Charlotte Lindholm in bestimmten Situationen dann doch - und auch dafür gebührt den Machern ein Dank. Auch wenn es dann doch ein bisschen ans Klischeehafte grenzt, dass sie ausgerechnet an den Hooligan gerät, der in Wahrheit ein investigativer Journalist ist, der sich in die Meute eingeschleust hat. Aber das stört nur als Grundkonzept, umgesetzt sind diese Szenen zwischen Jan Liebermann (Benjamin Sadler) und der Kommissarin so überzeugend, dass der Klischee-Vorwurf schnell vergessen ist. Es prickelt zwischen der toughen, aber irgendwie doch einsamen Kommissarin und dem toughen, aber irgendwie auch einsamen Journalisten – und beide trauen sich nicht, es sich einzugestehen. Genauso wie offen bleibt, was zwischen den beiden nun ist, bleibt offen, ob der Zuschauer Jan Liebermann im nächsten Lindholm-Fall wiedersehen wird. Danke auch dafür, werte "Tatort"-Macher.