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"Provokatives Verhalten: Kein Platz für Schwule im Profifußball"
(Queer.de, Köln, 12.06.2009)


Bei einer Umfrage unter 300 belgischen Fußballprofis erklärten mehr als zwei Drittel, dass es in der ersten Liga keinen Platz für Schwule gebe.

Wie die flämische Zeitschrift "Sport/Voetbalmagazine" berichtet, meinen 68 Prozent der Befragten, Schwule hätten auf dem Rasen in den Stadien nichts zu suchen. Nur 32 Prozent sahen darin kein Problem. In den europäischen Profiligen gibt es bislang keinen einzigen offen schwulen Fußballspieler.

Der belgische Fußballverband KBVB will aus der Umfrage keine Konsequenzen ziehen: "Nicht jeder wird mit offenen Armen begrüßt, aber was sollen wir tun? Ein Transparent aufhängen mit den Worten: ‚Schwule willkommen’?", erklärte Jean-Marie Philips, Geschäftsführer des Koninklijke Belgische Voetbalbond. "Homosexualität ist keine Krankheit, aber ich denke nicht, dass Folklore in den Sport gehört. Ich mag es nicht, wenn sich Schwule provokativ verhalten".

Profifußballer geben in der Regel keine Interviews zur Frage der Homosexualität, insbesondere wenn sie Schwule verurteilen. Nach Angaben von "Flanders News" nahmen aber mehrere Profis Stellung. Nur Außenverteidiger Didier Dheedene von Germinal Beerschot Antwerpen äußerte eine heimliche Angst vor schwulen Übergriffen: "Ich habe kein Problem mit Schwulen auf dem Spielfeld, aber sie müssen sich unter der Dusche beherrschen." Frederik Boi von Cercle Brügge versteht eine solche Angst nicht: "Spieler, die sagen, es gibt keinen Platz für Schwule, sind engstirnig. Meinetwegen können sie auf meinen Arsch starren." Und Torhüter Geert De Vlieger von Club Brügge äußerte sich sehr pragmatisch: "Ich finde einen schwulen Stürmer toll, wenn er 40 Tore pro Saison erzielt."

Zuletzt gab es in Deutschland große Diskussionen über Homophobie im Fußball, nachdem der ehemalige Kölner Trainer Christoph Daum erklärt hatte, man müsse jugendliche Fußballer vor Schwulen "schützen" (queer.de berichtete). Später entschuldigte sich Daum für diese Aussage und sagte homosexuellen Profis seine Unterstützung zu. Der 55-Jährige ist ab der nächsten Saison Coach des türkischen Spitzenvereins Fenerbahçe Istanbul.