Presse

"Schwerer Stand in der Fankurve"
(Leverkusener Anzeiger, Köln/Leverkusen, 20.01.2011)


von Michael Richmann

Schwule und lesbische Fußballfreunde werden auch in der Bay-Arena häufig diskriminiert. Deshalb hat das Fanprojekt von Bayer Leverkusen zur Diskussion um Homophobie im Fußball geladen.

© Kölner Stadtanzeiger, Ralf Krieger Leverkusen - „Homosexualität und Fußball, das passt nicht zusammen. Fußball ist halt ein hartes Geschäft.“ Worte von Timo Rost, Fußballspieler in Diensten des RB Leipzig; geäußert für eine Dokumentation des Deutschen Sportfernsehens. Worte, die allgemeines Kopfschütteln auslösen. Zumindest bei all denjenigen, die sich am Mittwochabend in der kleinen Dachkammer des Hauses Nummer 64 in der Wiesdorfer Lichstraße eingefunden haben. Das Fanprojekt von Bayer Leverkusen hatte zur Diskussion um Homophobie im Fußball geladen.

Zielgruppe fehlt

Diesem Ruf sind nicht allzu viele gefolgt; nur acht Personen scharen sich um den Diplom-Sozialpädagogen Stefan Thomé, Leiter des Fanprojekts. Über die Gründe kann nur spekuliert werden: „Vielleicht liegt das am Thema“, so Thomé. „Viele wollen sich damit nicht auseinandersetzen. Womöglich haben auch einige Angst, irgendwie mit dem Thema in Verbindung gebracht zu werden.“ Offensichtlich fehlen gerade diejenigen, die die Zielgruppe dieser Veranstaltung sind. Bis auf Stefan Thomé und zwei weitere Diskutantinnen sind alle anwesenden Personen Mitglied der „Bayer-04-Junxx“, dem bisher einzigen schwul-lesbischen Fanclub der Werkself.

Noch immer sind viele homosexuelle Fußballfans, so sie sich denn outen, Schmähungen ausgesetzt. Davon kann jeder hier ein Liedch singen. „Einmal kam es sogar soweit“, erzählt Stefanie, die ihren vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, „dass meine Partnerin meinte, ob wir das Stadion nicht vielleicht besser in Begleitung der Ordner verlassen.“ Auch in den Gesängen der Fans finden sich oftmals übelste Beschimpfungen. Doch es müssen nicht gleich Lieder sein, in denen Kölner zum Analsex genötigt werden. Oftmals kommt Homophobie auch recht unschuldig daher: „Was für ein schwuler Pass“, nennt Jens Langenberg, Vorsitzender der Junxx, als Beispiel. „Schwul ist hier etwas eindeutig Negatives. Das kriegt man aus den Köpfen so schnell nicht heraus.“ Was also tun? Für Roswitha, Vorsitzende des Fanclubs Sputnix, ist der Fall klar: „Ich spreche die Leute in meinem Umfeld, die so etwas sagen, immer sofort darauf an. Dafür habe ich mir auch schon die eine oder andere Drohung anhören dürfen“. Um auf breiter Ebene doch etwas erreichen zu können, soll zunächst Kontakt zu einigen der größeren Fanclubs aufgenommen werden. „Eine Choreo (vorbereitete Transparente oder Tafeln, die Red.) wäre echt cool“, findet Stefanie und findet für diese Idee allgemeine Unterstützung. Doch, und auch darin sind sich an diesem Abend alle einig, bis zur allgemeinen Anerkennung von Homosexualität in den Fankurven dieser Republik ist es noch ein weiter Weg. Und auf diesem seien gerade die Fans mitzunehmen, die an diesem Abend durch Abwesenheit von sich Reden machten.