Presse

"Blatter sorgt für Unruhe: Schwule sollen sich in Verzicht üben!"
(Queer Football Fanclubs, Hamburg, 14.12.2010)

Sepp Blatter, Präsident der FIFA, hat Schwule und Lesben aufgerufen, sich während der Fußball Weltmeisterschaften in Katar 2022 sexuell „bedeckt“ zu halten.

Es grummelt an der Basis der Fanorganisationen und ganz besonders der schwul- lesbischen Organisationen. Nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten hat die Vergabe der WM 2022 an das kleine Land im Nahen Osten Ärger in der Fußballfanszene hervorgerufen. Besonders unter Berücksichtigung der Nicht- Einhaltung der Menschenrechte fragen sich viele nach den Gründen für die Vergabe an Katar. Es gipfelte in dem Boykott- Aufruf der britischen Homosexuellenorganisation Gay Football Supporters’ Network (GFSN), die sich Sorgen um die Unversehrtheit der homosexuellen Sportler und Fans machte.

Die Ängste sind berechtigt. Denn in Katar herrscht die Scharia und die Strafen für homosexuelle Handlungen - egal welchen Geschlechts - reichen von fünf Jahren Gefängnis bis zu 90 Peitschenhieben! Auch Schwule und Lesben aus dem Ausland unterliegen dem Strafgesetzbuch.

Nun ließen die Aussagen, die der Präsident der FIFA, Sepp Blatter, laut Press Association, bei einer Nach- WM- 2010- Veranstaltung in Johannesburg äußerte, die Wogen erneut hochschlagen. Als er zu Besuchen homosexueller Fans befragt wurde, soll er gescherzt haben: „Dann sollten sie in der Zeit sexuelle Handlungen eben unterlassen!“ Zwar führte er ebenfalls aus, dass er glaube „dass wir definitiv in einer freien Welt leben und ich sicher bin, dass es in Katar keine Probleme geben wird.“ Und weshalb sollte man sich jetzt schon über eine Veranstaltung solche Gedanken machen, die erst in 12 Jahren stattfindet.

Die FIFA sei eine Organisation, die sich immer gegen Rassismus und Diskriminierung ausspräche. “Was wir wollen ist ausschließlich, dass Fußball ein Spiel für jeden und jede Kultur wird”. Dass die FIFA jedoch, vertreten durch Ihren höchsten Repräsentanten, die Homosexuellen zu einem Leugnung ihrer sexuellen Identität aufruft, zeigt ihre wahre Fratze.

Äußerungen wie die von Herrn Blatter rücken unter anderem auch die Untätigkeit der FIFA bei Aussagen kroatischer Fußball Verantwortlicher in ein anderes Licht. So hatte z.B. Vlatko Markovic (Präsident des kroatischen Fußballverbands) mit deutlich schwulenfeindlichen Aussagen bei Organisationen und Offiziellen in der Fußballwelt Empörung ausgelöst.

Er äußerte sich in einem Interview für die Zeitung "Vecernji List", dass er schwule Spieler im kroatischen Nationalteam nicht dulde. Wörtlich sagte er: "Solange ich Präsident bin, werden sicher keine Homosexuellen im Nationalteam spielen!" Bei der Nachfrage, ob er in seiner aktiven Laufbahn schon einmal einem schwulen Fußballer begegnet ist, sagte er weiter: "Nein, glücklicherweise, Fußball spielen nur normale Menschen".

Nachgelegt hatte dann noch der Vize Präsident von Dinamo Zagreb, Zdravko Mamic, der Schwule nur als Ballett-Interessierte oder Schriftsteller sah. In beiden Fällen blieb eine Bestrafung durch die FIFA aus.