Presse

"Homosexualität im Fußball noch Tabu"
(HR Online, Frankfurt, 01.12.2010)

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat Verständnis für homosexuelle Fußballer geäußert, die sich nicht outen wollen. Auf einer Gala zum Welt-Aids-Tag in Frankfurt sagte er, der Profi-Fußball stehe bei dem Thema erst am Anfang.

Zwanziger sprach als Gastredner einer Veranstaltung der Frankfurter Aids-Hilfe in der Paulskirche über das "Tabu Homosexualität im Fußball". Während bei den Amateuren sehr offen damit umgegangen werde und es inzwischen auch viele schwule Fangruppen gebe, sei es unter Profis noch immer mit einem Tabu belegt. "Wir befinden uns dort erst am Anfang des Weges." Er selbst habe großen Respekt vor der Entscheidung schwuler Fußballer, sich nicht zu outen.

Als Gründe für deren Schweigen nannte er den Teamsport, die nur wenige Jahre währende aktive Zeit und die Internationalität der Mitspieler und der Trainer. Zwanziger versicherte, dass der DFB prominente Spieler, die sich als homosexuell geoutet haben, "voll unterstützen würde". Er sei auch sicher, dass die Mehrheit der Fußballfans positiv auf einen solchen Schritt reagieren würde.

Erinnerung an 1.250 Aids-Tote

Der Vorsitzende der Frankfurter Aids-Hilfe, Christian Setzepfandt, erinnerte an die insgesamt 1.250 Frankfurter Aids-Toten. Er rief dazu auf, Menschen mit Aids und HIV nicht zu diskriminieren.

"Es gibt keine guten und bösen Kranken und keine guten und bösen Infizierten", sagte er. Trotz aller Fortschritte seien die vergangenen 25 Jahre der Frankfurter Aids-Hilfe keine Erfolgsgeschichte. Denn noch sei Aids nicht heilbar.

Gegen Diskriminierung

Hessens Sozialminister Grüttner hatte sich bereits am Dienstag gegen die Ausgrenzung von HIV-infizierten Menschen im Arbeitsleben gewandt. Aus Angst vor Diskriminierung und dem Verlust des Arbeitsplatzes wagten es viele nicht, sich im Betrieb oder im privaten Umfeld als Träger des Aids-Virus erkennen zu geben, sagte Grüttner in Wiesbaden. Der psychische Druck, der hierdurch entstehe, beeinträchtige die Lebensqualität und die gesundheitlichen Chancen oft erheblich.

Benachteiligungen am Arbeitsplatz stehen auch im Zentrum der bundesweiten Kampagne "Positiv zusammen leben", die am Welt-Aids-Tag am Mittwoch eröffnet wurde. Die Kampagne will auch deutlich machen, dass die meisten Menschen mit HIV in Deutschland heute einer geregelten Beschäftigung nachgehen und nicht weniger leistungsfähig sind als Menschen ohne die Infektion.

Grüne fordern mehr Geld für Präventionsarbeit

Hessens Grünen-Chefin Kordula Schulz-Asche forderte mehr Präventionsarbeit und eine finanzielle Absicherung der Vorsorgeprojekte. "Die engagierten Aids-Hilfen und die vielen ehrenamtlich Tätigen dürfen bei ihrer hervorragenden Arbeit und den anstehenden Herausforderungen in Prävention, Beratung und Pflege nicht alleine gelassen werden."