Presse

"Fanclub 'Green Hot Spots' kämpft gegen Diskriminierung"
(Weser Kurier, Bremen, 18.09.2010)


von Christian Palm

Der Fußball-Fan von heute darf sich nicht mehr viel erlauben. Ausländerfeindlichkeit und Rassismus wurde den Stadiongängern schon in den neunziger Jahren weitgehend abgewöhnt. Allenfalls für Homophobie ist noch Platz in den Arenen. Doch auch der wird immer kleiner. In Bremen macht sich der Werder-Fanclub 'Green Hot Spots' gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben stark.

Wenn es ihm mal wieder zu viel wird, zeigt Kai-Uwe Hampel seinen Schal. Der ist grün-weiß, an den Seiten prangen aber Streifen in Regenbogenfarben und der Spruch 'just queer, not different', was frei übersetzt so viel heißt wie: 'nur schräg, nicht anders'. Hampel ist schwul und hält seinen Schal jenen entgegen, die im Weserstadion mal wieder einen der gegnerischen Spieler als 'Schwuchtel' beschimpfen oder sich über einen 'schwulen Torschuss' lustig machen. Der 38-Jährige, Werder-Fan, seit er vor knapp 20 Jahren vor dem Stadion Würstchen verkaufte, ist einer der Sprecher der 'Green Hot Spots', dem ersten schwul-lesbischen Werder-Fanclub.

In 13 der 18 Erstliga-Städte gibt es mittlerweile solche Vereine, die nicht nur ihre Mannschaft anfeuern, sondern auch gegen Diskriminierung kämpfen. Denn: 'Fußball ist für alle da,' sagt Hampel. Zweimal jährlich treffen sich die Vertreter der schwul-lesbischen Fanclubs zum Meinungsaustausch. Auch der DFB hat das Problem mittlerweile erkannt und unterstützt sie.

Wie schwer es Homosexuelle im Fußball immer noch haben, zeigen aktuelle Vorfälle, sei es die Schlammschlacht im Schiedsrichterwesen zwischen Manfred Amarell und Michael Kempter oder der jüngste Fall aus Nordfrankreich: Dort hatte sich ein Amateurfußballer als schwul geoutet und wurde daraufhin aus der Mannschaft geworfen - um ihn zu schützen, wie die Vereinsführung behauptet. Zuvor hatten sich einige Mannschaftskollegen von Joann Lemaire negativ über Homosexualität geäußert. Der Verteidiger gehörte seinem Verein 14 Jahre an.

Schwulenhass nimmt ab

Trotz allem scheint sich etwas zu bewegen. Die Mitglieder der 'Hot Spots' fühlen sich gut aufgenommen in der Bremer Fan-Gemeinde. Seit sie 2006 ihren Club gründeten, bekämen sie viele positive Reaktionen und in der Ostkurve nehme der Schwulenhass ab, hat Lars Wessel beobachtet. 'Die Entwicklung ist sehr positiv', sagt er. Wessel gehört ebenfalls zu den 'Hot Spots', arbeitet zudem ehrenamtlich für das Werder-Fanprojekt. Je jünger die Fans seien, desto weniger Probleme hätten sie mit den Anhängern mit Regebogen-Schal. Im April, als Werder zu Hause gegen den 1. FC Köln spielte, machten die 'Hot Spots' mit dem Fanprojekt mit einer großen Choreographie in der Ostkurve auf sich aufmerksam und verteilten 30000 Flugblätter gegen Homophobie im Fußball.

Die Spiele ihres Vereins schauen die 'Hot Spots' im Café Kweer mitten im Viertel, wie am vergangenen Sonnabend, als Werder bei Bayern München antrat. Wie in jeder Kneipe, in der das Duell gezeigt wird, ist auch hier kein freier Platz zu finden. Im 'Kweer' zeigt sich, dass die Mitglieder der 'Hot Spots' einerseits ganz normale Fußball-Fans sind, aber durchaus ihre eigene Perspektive auf das Spiel pflegen. Kritisch beäugen sie zum Beispiel Tim Wieses Frisur, ('furchtbar') und Teile der Transferpolitik des Vereins: Dass Stürmer Markus Rosenberg verkauft wurde, sei ein herber Verlust - 'optisch jedenfalls', sagt einer. Am Ende freuen sich alle Anwesenden über das 0:0 gegen Bayern und applaudieren, als hätte Werder gewonnen.

Für die 'Green Hot Spots' wäre es auf lange Sicht ein Erfolg, wenn es in Fußball-Deutschland eine Atmosphäre gäbe, in der sich schwule Fußballer outen können, und homosexuelle Fans nicht mehr ihre eigenen Fanclubs und Fußball-Kneipen suchen. Dass es aber auch im Weserstadion einige Unverbesserliche gibt, hat Kai-Uwe Hampel längst akzeptieren müsen. Bei manchen hat er die Hoffnung aufgegeben, dass ihnen die schwulenfeindlichen Sprüche noch abzugewöhnen sind. 'Die rufen das seit 20 Jahren und werden wohl nicht mehr damit aufhören', sagt er. Da hilft auch kein Schal in Regenbogen-Farben.