Presse

"TABUBRUCH - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball"
(DSF, Ismaning, April/Mai 2009)

Ein Film von Aljoscha Pause.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.

Schnitt: Anne Pannbacker
Kamera: Martin Nowak, Sebastian Uthoff, Andreas Böhm, Andrej Auersperg
Ton: Andreas Raulin, Sven Köbisch, Horst Krause, Mounir Daoubi
Mitarbeit: Giovanni Cosentino, Tanja Brodel, Anett Sattler, Martin Quast, Kwamena Odum
Archiv: Wolfgang Gölden
Mit freundlicher Unterstützung von „La7“ - Televisione, Italia

Redaktion: Michael Bracher

Eine DSF Dokumentation 2009, 60 Minuten.


Vor genau einem Jahr stellte die preisgekrönte DSF-Dokumentation „Das große Tabu - Homosexualität & Fußball“ (Felix-Rexhausen-Preis 2008) die Frage nach dem Status Quo von gleichgeschlechtlicher Liebe im deutschen Volkssport Nummer 1. Die Resonanz war erstaunlich. Während sowohl beim DFB, als auch beim ein oder anderen Protagonisten der deutschen Fußballszene eine durchaus fortschrittliche und offene Haltung erkennbar war, so brachten die Aussagen einiger Fans und auch die viel zitierte Meinung von Kölns Trainer Christoph Daum („Ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.“) die Erkenntnis, dass es noch ein langer Weg sein würde, bis zu einem unaufgeregten, weltoffenen Umgang mit Homosexualität im Fußball.

Filmautor Aljoscha Pause hat die brisante Thematik nun weitere 12 Monate beobachtet und mit der Kamera begleitet. Ein Jahr nach der ersten Dokumentation stellt er die Frage, ob es nach der „Initialzündung“ 2008 - bei DFB und Liga - den Tabubruch nun tatsächlich gegeben hat. Wie sieht sie aus, die Entwicklung zu einem wohlwollenden Miteinander, jenseits von Diskriminierung.

Dabei stößt die Dokumentation auf viele neue Erkenntnisse. Exklusiv begleitet sie die DFB-internen Prozesse & Meetings, und ist dabei als beschlossen wird, dass - noch 2009 - sogar ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft unter dieses Motto (gegen Homophobie im Fußball) gestellt werden soll.

Kölns Trainer Christoph Daum äußert sich in einem ausführlichen Interview zu seinen streitbaren Thesen des vergangenen Jahres - und nimmt nun sogar die Auslosung des Kölner „Come Together Cups 2009“ vor.

Der Film dokumentiert auch die internationalen Aspekte von Homosexualität und Fußball. In Holland engagiert sich u.a. Meistertrainer Louis van Gaal und kommt ebenso zu Wort wie Italiens Ex-Profi Demetrio Albertini und Bayern-Star Luca Toni. In Kooperation mit dem italienischen Sender „La7“ äußert sich ein ehemaliger Profi der „Serie C“, der mittlerweile als Callboy arbeitet. Er stand bereits zahlreichen Profis der italienischen ersten Liga für Liebesdienste zur Verfügung und berichtet von seinen Erfahrungen.

Auch der Frauenfußball findet ausführliche Berücksichtigung. Deutschlands 2 - malige Fußballerin des Jahres, Martina Voss, erzählt davon, wie sie nach Differenzen mit ihrer damaligen Lebensgefährtin Inka Grings von der Nationalmannschaft ausgeschlossen wurde. Heute ist sie Trainerin von UEFA-Cup-Finalist FCR Duisburg. Ihre beiden Leistungsträgerinnen - die aktuellen Nationalspielerinnen Inka Grings (eben jene, wegen der Martina Voss aus dem DFB-Team flog) und Linda Bresonik berichten über ihre extrem unangenehmen Erfahrungen mit der Boulevardpresse, als vor ein paar Jahren sehr private Details ihrer damaligen Beziehung an die Öffentlichkeit kamen. Erstmals nehmen damit aktuelle deutsche Nationalspielerinnen im Fernsehen zu ihrer homosexuellen Beziehung Stellung.

Aljoscha Pause und sein Team begleiteten mit der Kamera ebenso den ersten DFB-Auftritt bei einem Christopher Street Day (Köln, Juli 2008), wie die Verleihung des „Tolerantia-Preises“ an Dr. Theo Zwanziger, Philipp Lahm und Deutschlands führende Aktivistin in Sachen Homosexualität & Fußball, Tanja Walther - die Präsentation des ersten Buches zur Thematik („Der Versteckspieler“) unter Mitwirkung von Ex-DDR-Jugendnationalspieler Marcus Urban und dem schwulen Präsidenten des FC St. Pauli, Corny Littmann, der deutlich macht, dass es auch in Deutschland Netzwerke schwuler Fußballprofis gibt und das Trainer Christoph Daum nach seinen Äußerungen des Vorjahres beim FC St. Pauli keine Zukunft gehabt hätte.

Eine große Umfrage unter Bundesliga-Profis komplettiert die 60-minütige Dokumentation.