Presse

"Die Jungs sind angekommen"
(BayArena Magazin, Leverkusen, 04. Oktober 2008)

Anfang 2008 gründete sich der erste schwul-lesbische Bayer 04-Fanclub. Eine erste Bilanz:

Vor einigen Wochen, beim DFB-Pokalspiel in Oberhausen, da mussten sie herzhaft lachen. „Für’n paar Schwule seid ihr ganz schön laut“, schallte es aus dem Oberhausener Fanblock hinüber in die Leverkusener Ecke. Und da hatten nun mal auch die „Bayer 04-Junxx“ für mächtig Stimmung gesorgt. „Hey, woher wissen die, dass wir schwul sind?“, witzelte Peter Marcel Hansmann-Sadiq, eines von zwölf festen Mitgliedern des ersten schwul-lesbischen Fanclubs von Bayer 04. Die „Junxx“ haben Humor, das steht mal fest. Als Leverkusener Fans beim Rückrundenspiel der vergangenen Saison nach dem Führungstreffer des HSV durch Raffael van der Vaart „Schwule, schwule Holländer“ brüllten, da brüllten sie einfach mit. Vermutlich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Doch so sehr die „Junxx“ auch über sich selbst lachen können: Einfach ist ihnen der Schritt zur Gründung eines eigenen Fanclubs nicht gefallen. „Wir hatten zunächst starke Bedenken, ob die Zeit dafür schon reif sei in Leverkusen, einer Stadt mit traditionellem Arbeitermilieu und konservativer Klientel“, erzählt Jens Langenberg, der Vorsitzende des Fanclubs. In einem langen Gespräch mit Andreas „Paffi“ Paffrath, dem Fanbeauftragten von Bayer 04, wurden diese Zweifel schnell ausgeräumt.

Die Zeit sei überreif, meinte Paffi, der die Entwicklung schwuler Fanclubs bei anderen Vereinen schon länger aufmerksam verfolgt hatte und den Junxx seine volle Unterstützung zusagte. Und weil sich auf der anderen Rheinseite im November 2007 gerade „Andersrum Rut-Wiess“ gegründet hatte, dachten sich Langenberg und Co.: „Was die Kölner können, können wir schon lange.“

Die Bilanz nach dem ersten dreiviertel Jahr fällt durchweg positiv aus.

„Die Akzeptanz in unserer Fanszene ist groß. Wir haben über unsere Homepage viel Resonanz bekommen mit dem Tenor ‚Toll, dass ihr den Mut hattet, diesen Schritt zu gehen’. Auch im Forum auf werkself.de waren die Reaktionen sehr wohlwollend, und bei uns im C-Block in der BayArena gibt’s eh keine Probleme“, sagt Langenberg. Der 28-Jährige kommt aus Düsseldorf und ist seit den 90er Jahren Bayer 04-Fan. Wie er sind die meisten anderen Mitglieder der „Junxx“ seit vielen Jahren in der Leverkusener Fanszene verwurzelt. „Wir definieren uns nicht über unser Schwulsein, sondern wir sind in erster Linie Bayer-Fans. Wir wollen nicht unser Ding durchziehen und einen auf elitär machen, sondern unseren Verein unterstützen.“

Die Farben ihres Vereins haben sie im Sommer auch auf dem Christopher Street Day (CSD) in Köln, der größten schwul-lesbischen Parade in Europa, präsentiert. Zusammen mit vielen weiteren gleichgesinnten Fanclubs etwa aus Freiburg, München, Berlin oder Dortmund – alle unter dem Dachverband Queer Football Fanclubs (QFF) organisiert – marschierten sie vor über einer Million Zuschauer durch die Kölner Innenstadt. Der eigene Wagen mit der Aufschrift „Fußball ist alles... auch schwul!“ wurde gar vom DFB gesponsert. Am Ende wurden die Fanclubs als beste Fußgruppe des gesamten Zuges ausgezeichnet. „Für uns war der CSD ein Riesen-Erlebnis. Und das Schönste: Wir haben unglaublich viele Bayer 04-Fans in der Menschenmenge am Wegesrand entdeckt“, sagt Langenberg, der sich auch darüber freut, dass die Bayer 04-Junxx von der Leverkusener Vereinsspitze so viel Zustimmung erhalten. „Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler wollten von uns einen Erlebnisbericht über den CSD haben. Sie sind sehr offen und interessiert. Dass ein Vereinsvorstand so hinter einem schwul-lesbischen Fanclub steht, gibt es in der Bundesliga sehr selten“, weiß Hansmann-Sadiq, der als zweiter Vorsitzender der Junxx inzwischen auch im Fanbeirat von Bayer 04 vertreten ist.

Auch Heterosexuelle sind als Mitglieder bei den Junxx im übrigen herzlich willkommen. Jan Limp zum Beispiel ist so einer. „Unsere Quoten-Hete“, nennt Jens Langenberg ihn scherzhaft. „Ich finde die Atmosphäre in diesem Club einfach klasse und habe überhaupt kein Problem damit, hier Mitglied zu sein“, sagt Limp.

Die Junxx sind inzwischen der zwölfte offizielle schwul-lesbische Fanclub in Deutschland. Natürlich pflege man untereinander einen engen Kontakt, schließlich habe man ja die selben Interessen. Aber so gut man sich auch zum Beispiel mit den „Rut-Wiessen“ aus Köln verstehe, beim Fußball hört die Gemeinsamkeit dann auf. „Das ist immer noch der FC, und da befinden wir uns ganz gewiss nicht auf Schmusekurs“, sagt Langenberg.

Über ein eigenes Logo und eine eigene Homepage verfügen die Junxx schon längst (www.bayer04-junxx.de), an einem Fanschal wird gerade gearbeitet. Erst mal aber steht vom 10. bis 12. Oktober in Basel ein internationales Treffen der Queer Football Fanclubs statt, bei dem sich vielleicht schon die nächsten Mitglieder-Fanclubs präsentieren werden.