Presse

"Homophobie im Fussball: Baslers Widersprüche"
(Kölner Stadtanzeiger, Köln, 29. Juni 2008)

Der frühere Fußball-Spieler hat sich in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zum Thema Homophobie im Fußball geäußert - und sich dabei fortwährend selbst widersprochen. Schade, dass der Moderator ihn nicht gestellt hat.

von Tobias Peter

Kreisliga, Bundesliga, Nationalmannschaft: Wo elf Männer in einem Team kicken, ist nach allen Regeln der statistischen Wahrscheinlichkeit oft zumindest ein Schwuler dabei. Der frühere Bayern-Spieler Mario Basler glaubt das partout nicht. „Es gibt keine schwulen Bundesliga-Spieler“, sagt er. Über diese Einschätzung und über Homophobie im Fußball hat er in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ gesprochen. Und zwar mit einem Fußballer, der wegen seines Coming Outs auf die Profikarriere lieber verzichtet hat, sowie mit dem schwulen Präsidenten des FC St. Pauli, Corny Littmann. Ein spannendes, Konflikt beladenes Thema und gut ausgewählte Gäste. Das einzige Problem: der Moderator.

Die Gesprächsführung von Markus Lanz ist ungeordnet und nur wenig zielführend. Dabei wirkt er wie ein Mittelfeld-Spieler, der damit überfordert ist, die Mannschaft zu führen. Und der sich stattdessen darauf verlegt, hektisch Pässe zu schlagen - egal wohin, Hauptsache irgendwohin. Dabei verpasst er viele Chancen, Basler zu stellen, wenn er sich widersprüchlich äußert. Basler behauptet nicht nur, es gebe keine schwulen Bundesligaspieler. Er begründet dies ernsthaft damit, dass er jedenfalls keine kenne. Klar habe er Gegenspieler schon mal beschimpft: „Hör mal, du bist doch schwul.“ Das sei aber auch wirklich nicht böse gemeint gewesen, sondern habe den Gegner nur aus dem Konzept bringen sollen. Markus Lanz hakt nicht nach, wie das mit Baslers Selbstdarstellung als besonders weltoffener und toleranter Spieler („Ich kenne ja auch privat Schwule“) zusammengeht.

Am Elfmeterpunkt vorbei gegangen

Mario Basler betont, er hätte nichts gegen schwule Spieler in der eigenen Mannschaft. Er berichtet, wie taktvoll er sich als Spieler immer verhalten habe. Wenn da jemand „ein bisschen anders läuft als andere“, denke man natürlich schon mal darüber nach, ob der auch sonst anders sei. Aber natürlich sei er nie zu einem solchen Spieler gegangen, um ihn darauf anzusprechen. „Das hätte ich mir nicht erlaubt.“ Basler bemerkt nicht mal, dass er damit soeben seiner eigenen These von der Nicht-Existenz schwuler Bundesligaspieler widersprochen hat. Und glaubt er, dass es grundsätzlich einen anderen, einen schwulen Laufstil gibt? Dass schwule Spieler daran erkannt werden können? Basler legt Lanz den Ball hier auf den Elfmeterpunkt - und der verschießt nicht einmal. Er begibt sich gar nicht erst zum Elfmeterpunkt. Der Moderator fragt nicht nach. Damit verpasst er die Chance, ein wirklich offenes Gespräch über Vorurteile in Gang zu bringen.

Etwas Gutes hat die Stichwort-Moderation von Lanz jedoch. Er lässt seinen Gästen viel Raum, untereinander zu reden, sich verbal abzutasten - und gelegentlich auch ordentlich zu sticheln. Immer dann wird es unterhaltsam. St.-Pauli-Präsident Corny Littmann erwidert auf Basler, er kenne mehrere schwule Bundesligaspieler. Wer die Namen herausfinden wolle, müsse schauen, wer besonders viele gelbe Karten habe. „Erhöhte Aggressivität ist eine gute Tarnung“, erklärt er. So betonten die Betroffenen nach außen hin ihre eigene Männlichkeit. Littmann fügt hinzu, er wisse natürlich nicht, ob Basler in seiner aktiven Zeit viele gelbe Karten gesehen habe. Nein, nein, er selbst nicht, versichert Basler. Aber er käme da schon ins Grübeln, was diese Theorie über Stefan Effenberg aussagen würde.