Presse

"DFB-Boss Zwanziger: Schwule, bekennt euch!"
(Die Abendzeitung, München, 19. Juni 2008)

In der Politik sind Coming-Outs längst nicht mehr verpönt.: Berlins Regiernder Oberbürgermeister Klaus Wowereit lebt offen schwul.

von A. Zoch

Wie viele schwule Fußball-Profis gibt es? Rein statistisch müsste es in jedem Verein einen geben. Jetzt will sogar DFB-Chef Theo Zwanziger homosexuellen Fußballern ein Coming-Out erleichtern.

Homosexualität ist das letzte große Tabu im Fußball. In Deutschland hat sich noch kein einziger Profi-Spieler geoutet – obwohl es statistisch gesehen in jedem Bundesliga-Verein mindestens einen homosexuellen Spieler geben müsste. Jetzt hat sich DFB-Chef Theo Zwanziger zu Wort gemeldet – und homosexuellen Spielern seine Unterstützung versichert. Sie sollten sich „klar bekennen“, sagte Zwanziger in einem Interview mit dem Schwulen-Magazin „Männer“.

„Der organisierte Fußball würde ein Coming-Out abfedern, helfen und dazu beitragen, dass das zu einem ganz normalen Gesprächsgegenstand wird.“ Jeder Betroffene solle das Gepräch „mit dem DFB und mit mir“ suchen. „Das gesamtgesellschaftliche Klima in Deutschland könnte es heute vertragen“, wenn sich auch ein Fußball-Profi zu seiner Homosexualität bekenne.

Was in der Politik mittlerweile als normal gilt – Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) leben offen schwul, genauso wie FDP–Chef Guido Westerwelle – im männerdominierten Hetero-Sport Fußball durfte das lange nicht sein. Aber unter Zwanziger scheint sich das jetzt zu ändern: Der DFB hat eine Anti-Diskriminierungs-Erklärung unterzeichnet, außerdem sponserte er erstmals einen Wagen auf dem Kölner Christopher-Street-Day.

„Es ist ein Segen, dass sich Theo Zwanziger so gegen Schwulenfeindlichkeit einsetzt“, sagt Marcus Urban zur AZ. Urban spielte in der Zweiten Bundesliga bei Rot-Weiß Erfurt und musste dort seine Homosexualität verstecken. „Das ist ein erster Schritt hin zur Normalität“, sagt Urban. „Und ich wünsche mir, dass ein Bundesliga-Profi irgendwann mal sagt: ,Heut Abend zur Meisterfeier bring ich meinen Freund mit.’“

„Das ist ein wichtiges Signal“, sagt Conrad Breyer vom Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum München (SUB). „Auch für schwule Fußballfans.“ Und die gibt’s zahlreich – das Public-Viewing im SUB-Café sei jedenfalls immer gut besucht.

„Ich freue mich, dass der DFB schwule Spieler unterstützen will“, findet auch Wolfgang Eckert vom schwulen Münchner Fußballklub „Streetboys“. „Aber bis auf der Tribüne die ,Schwuchtel’-Rufe aufhören, wird es trotzdem noch zehn Jahre dauern.“ Wie viel noch zu tun ist, zeigte erst vor wenigen Wochen Christoph Daum. In einer TV-Doku rückte der Trainer des 1. FC Köln Homosexuelle in die Nähe von Kinderschändern: „Wir müssen gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich geprägt sind, vorgehen“, sagte Daum. Man müsse „den Kindern einen besonderen Schutz zukommen lassen.“ Entschuldigt hat sich Daum bisher nicht.